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Schmerzen und Leid lindern

Veröffentlicht am 22.10.2020

von Eveline Harder

Dr. Roland Kunz sprach über „Perspektiven von Total Pain in Pflege und Medizin“. Foto: Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie vom UNIONHILFSWERK

Am 9. Oktober 2020 fand die diesjährige Fachtagung Palliative Geriatrie* als Dialogveranstaltung in abgespeckter Form im Hotel MARITIM in der Stauffenbergstraße statt. Nur 75 Teilnehmer:innen waren unter strengen Abstands- und Hygieneregeln zugelassen. Durch den BVG-Streik blieben aber einige wenige Plätze frei.

Es begann mit einer Videoschaltung nach Wien, in der die Ehrenvorsitzende der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie Marina Kojer das Grußwort sprach. Die Schirmherrin der Veranstaltung, Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, hatte ihren Staatssekretär Martin Matz avisiert, der aber nicht erschien.

Es folgten sieben Impulsreferate. Dr. Roland Kunz, Zürich, sprach über „Perspektiven von Total Pain in Pflege und Medizin“. Er erläuterte die Vorgehensweise bei hochbetagten Menschen, damit diese gut versorgt sind. Die Schmerzbehandlung bei Total Pain wurde aufgezeigt (s. Foto). Er verwies auf John Lockes Ausspruch „Freude und Schmerz lassen sich nicht erklären, man kann sie nur aus Erfahrung kennen“.

Christine Grünwald, Wachenheim, hatte das Thema „Schmerz frisst Seele“. Es gebe den körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Schmerz, die alle im Zusammenhang gesehen werden müssten. Der spirituelle Schmerz zeige das Leiden an der eigenen Lebensaufgabe auf. An einem Fallbeispiel erklärte sie, dass aus „einer Katze ein Tiger wird“ durch Nichtschätzung der Schmerzen durch den Pflegenden.

Professor Dr. Ralf Jox, Lausanne, betrachtete Total Pain aus ethischer Sicht und erläuterte an einem Fallbeispiel den spirituellen Schmerz (Verlust, Einsamkeit, Institutionalisierung, Religion Fluch oder Segen und Todesnähe). Er berichtete dann über die Erfahrungen in der Schweiz mit der Corona-Epidemie. Corona wirkte sich als Einsamkeitsepidemie aus. Gerade in den Pflegeheimen war die Situation hoch brisant. Social distancing wurde verordnet (wenige Berührungen, Besuchs- und Ausgehverbote), die Vereinsamung nahm zu und die Hochaltrigen starben. Auch eine Stigmatisierung der Risikopatienten war die Folge, ein wohlwollendes Verhalten wurde zum Risiko. Professor Jox wünschte sich mehr Wertschätzung von Care-Arbeit und Empathie für Total Pain.

Stephan Handraschek, Berg Bestattungen Berlin, hatte das Thema „Abschiedleben und Abschiednehmen mit den Hinterbliebenen“. Er bedauerte, dass die Bestimmungen für Beerdigungen wieder verschärft wurden. Die Trennungsarbeit am Lebensende sei aber wichtig.

Der Tagungsleiter Dirk Müller, Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie (KPG) schloss mit dem Appell, nicht die Einrichtungen dicht zu machen. Stattdessen müssten gute Lösungen gefunden werden, um die Abschiedskultur für Total Pain herauszuarbeiten.

Weiter Informationen zu Total Pain gibt es auf https://palliativ-schulung.com/2019/04/19/total-pain-was-heisst-das-fuer-die-praxis/

Die *Palliative Geriatrie sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, alten Menschen bis zuletzt ein beschwerdearmes und würdiges Leben zu ermöglichen. Schmerzen, belastende körperliche Symptome und soziale/seelische Nöte sollen gelindert werden. Die Wünsche und Bedürfnisse Schwerstkranker und Sterbender stehen im Mittelpunkt. Dies geschieht durch einen Betreuungsansatz, der sowohl kurative als auch palliative Maßnahmen vereint und sich immer mehr zugunsten hospizlich-palliativer Angebote verschiebt. 

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LANDESNETZERK BÜRGERENGAGEMENT BERLIN – Blogbeitrag von Eveline Harder
zuletzt überarbeitet 22.10.2020

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